Veranstaltungsbericht: Lesung des Schriftstellers Doron Rabinovici zum aktuellen Antisemitismus und zum medialen Rechtsextremismus
Lesung des Schriftstellers Doron Rabinovici zum aktuellen Antisemitismus und zum medialen Rechtsextremismus
Der österreichisch-jüdische Schriftsteller Doron Rabinovici war am 17. Juni auf Einladung der Geschichtswerkstatt Tübingen, der Regionalgruppe "Gegen Vergessen - für Demokratie" und des lokalen Bündnisses für Israel - gegen Antisemitismus zu einer Lesung in Tübingen. Rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten seinen literarisch verarbeiteten Beobachtungen zum grassierenden Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 und zum Rechtsextremismus. Die beiden politischen Bewegungen sind nach Rabinovici die größten Bedrohungen der liberalen Demokratie und der Menschenrechte.
Rabinovici las aus seinem Essay "Angesichts des Siebenten Oktober. Auslöschung und Geiselnahme" und betonte, dass bereits am Tag des Hamas-Massakers und wenige Zeit später sich ein formierender Antisemitismus gegen Israel und die Juden weltweit zeigte. Zahlreiche kritische Intellektuelle und Künstler, Feministinnen, linke Menschenrechtler haben zu den Mordtaten, Vergewaltigungen und Verstümmelungen sowie Geiselnahme der Terrororganisation Hamas erst geschwiegen und sind seit den Gegenangriffen der israelischen Armee im Gaza dann lautstark in den Chor der Israel- und Judenfeinde eingeschwenkt. Gleichwohl ließ Rabinovici keine Zweifel, dass die israelische Armee viele Kriegsverbrechen in Gaza an der Zivilbevölkerung begangen hat und die rechtsgerichtete Regierung Netanjahu dafür und auch für die Siedlergewalt im Westjordanland die Verantwortung trage. Für sein differenziertes Nachdenken über den komplexen Nahostkonflikt ohne Propagandaformeln wie der oft behauptete „Genozid“ und für seine Empathie mit den unschuldigen Opfern auf beiden Seiten gab es aus dem Publikum viel Beifall.
Schließlich las Doron Rabinovici Auzüge aus seinem jüngsten Roman „Die Einstellung“ zu den Gefahren des Rechtsextremismus. Dabei geht es um den Kampf eines rechtsextremen Populisten gegen einen Fotografen, der genau weiß, dass jede Aufnahme auch Zeugnis einer Einstellung ist, die leicht zur Faszination über rechte Autoritäten führen kann.
Text: Martin Ulmer