Gedenkstunde des Landtags Baden-Württemberg in Herbolzheim
Gedenkstunde des Landtags Baden-Württemberg in Herbolzheim
In der Kleinstadt Herbolzheim im Landkreis Emmendingen fand am 27. Januar 2026 die Gedenkstunde des Landtag von Baden-Württemberg statt. An diesem Tag, dem Holocaust-Gedenktag, erinnern wir an die Millionen Menschen, die entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.
Jessica Reichert von der Geschichtswerkstatt Tübingen war eingeladen, an der Gedenkstunde teilzunehmen. Der diesjährige Schwerpunkt lag auf der Volksgruppe der Jenischen.
Die Jenischen sind eine „eigenständige, transnationale ethnische Minderheit mit eigener Sprache, eigener Kultur und eigenen Traditionen“ (Zentralrat der Jenischen). Auch sie wurden im Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet. Lange Zeit blieb ihr Schicksal im öffentlichen Bewusstsein kaum sichtbar.
10 Uhr - Stilles Gedenken
Vor der offiziellen Gedenkstunde wurde am Mahnmal in der Eisenbahnstraße, das seit 2003 an die aus Herbolzheim deportierte Sinti-Familie Spindler erinnert, ein Kranz niedergelegt. Anwesend waren unter anderem Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Bürgermeister Thomas Gedemer sowie Alexander Flügler vom Förderverein der Jenischen und anderer Reisender e.V.. In stillem Gedenken wurde an alle Menschen erinnert, die während des Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.
11 Uhr - Gedenkstunde im Bürgerhaus Herbolzheim-Tutschfelden
Im Bürgerhaus Herbolzheim-Tutschfelden folgten Grußworte von Bürgermeister Thomas Gedemer, Alexander Flügler und Landtagspräsidentin Muhterem Aras.
In ihrer Ansprache mahnte sie:
„Unser Grundgesetz ist glasklar: Alle Menschen haben Würde. Eine unantastbare Würde, die durch nichts und niemanden infrage gestellt werden darf! Niemals! Und wir alle haben die Pflicht, diese Würde zu achten und zu schützen.“
Alexander Flügler sprach über das lange Vergessen der Jenischen, aber auch über die Hoffnung auf Anerkennung als nationale Minderheit:
„Die Jenischen blicken oft zum Himmel hinauf, zu diesem Sternengarten und Seelengarten, und sehen unsere Geschichte und unser Schicksal. Wir sehen ein Licht, das uns Hoffnung gibt.“
Für die musikalische Gestaltung sorgte der jenische Musiker Mano Trapp mit seiner Combo MANOU. Sie spielten unter anderem das altjenische Lied „Modele gimberle lori … / Mädchen, klettere nicht …“. Der Kulturpsychologe Boris Weinrich hielt einen Vortrag zur Verfolgung und zum Schicksal der Jenischen. Schülerinnen und Schüler der Zeppelin-Realschule Singen präsentierten ihren Beitrag „Leben – Erinnern – Jenisch sein“. Zum Schluss konnten die Teilnehmenden an verschiedenen Infoständen mit Vertreter*innen unterschiedlicher Opfergruppen ins Gespräch kommen.
Zeichen der Erinnern
Im Anschluss an die Gedenkstunde wurde symbolisch eine Trauerweide gepflanzt. Ein Zeichen der Trauer, der Hoffnung und des Gedenkens.