Verein Lern-und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V.
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72072 Tübingen
Tel. 07071-791510
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Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
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Presseerklärung – Tübingen, 8. September 2012
Einladung zur Informationsveranstaltung:
Soll NS-Belasteten die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden?
Mittwoch, den 26. September 2012, 20.00 Uhr
Kulturamt Veranstaltungsraum, Nonnengasse 19
Professor Dr. Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) wird in seinem Vortrag berichten, warum der Gemeinderat der Stadt Konstanz den ehemaligen Oberbürgermeister Bruno Helmle von der Liste der Ehrenbürger gestrichen hat. Dr. Martin Ulmer und Dr. Hans-Otto Binder erläutern anschließend, warum eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde beim früheren Oberbürgermeister Adolf Scheef und beim Philosophen Theodor Haering nach derzeitigem Kenntnisstand angebracht ist.
Am 11. Oktober soll im städtischen Kulturausschuss weiter über den Umgang mit NS-verstrickten Ehrenbürgern beraten werden. Die Verwaltung vertritt in ihrer Vorlage Nr. 176/2012 vom 12. April 2012 die Auffassung, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt und plädiert daher lediglich für eine Kommentierung der derzeitigen Ehrenbürgerliste. Es gibt jedoch keine zwingenden rechtlichen Vorschriften, die auch eine Streichung jener Personen aus der Liste der Ehrenbürger verbieten, die sich dieser Auszeichnung als unwürdig erwiesen haben. in einigen Städten wurde nach 1945 so verfahren, kürzlich etwa in Konstanz.
Für Tübingen ist es sicher richtig, dass für ein fundiertes Urteil über einzelne Personen wie Hans Gmelin noch detaillierte Forschungsarbeit zu leisten ist. Unserer Ansicht nach ist jedoch in zwei Fällen (Theodor Haering, Adolf Scheef) bereits heute eine Entscheidung über eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft möglich.
Theodor Haering war nach dem Ersten Weltkrieg ein entschiedener Gegner der Weimarer Republik. Seine Forderung nach einem nationalen Machtstaat, sein Antisemitismus und der Wunsch nach einem Führer, ließ ihn 1937 der NSDAP beitreten. Haering war in der Folgezeit vielfältig propagandistisch für den nationalsozialistischen Staat tätig, nicht nur in der Universität, sondern auch öffentlich. Nach 1945 gehörte er zu den Ersten, die aus der Universität entlassen wurden. Seine spätere Einstufung als „Mitläufer“ ermöglichte ihm die Rückkehr. Seine Gesinnung freilich änderte sich nicht, Selbstkritik oder gar aktives Eintreten für die Demokratie sucht man bei ihm vergeblich.
Der frühere Demokrat und Oberbürgermeister Adolf Scheef betrieb ab 1933 nach Kräften eine nationalsozialistische Kommunalpolitik. Auf seine Initiativen hin entstanden die SA-Motorsportschule, die Reichsbräute- und die Reichssanitätsschule, die Schwesternschule, die Jugendherberge sowie Einrichtungen des Nationalsozialistischen Volkswohlfahrtverbands und mehrere Siedlungen. Er baute Tübingen zur „Parteistadt“ aus. Die häufigen Zugriffe der Parteieinrichtungen auf städtische Finanzmittel und auf Immobilien stießen bei Scheef auf Wohlwollen. Hinzu kam sein unbedingter Einsatz für die nationalsozialistischen Ziele im Alltagsgeschäft.
Nach dem heutigen Kenntnisstand fordern wir den Gemeinderat auf, die
Ehrenbürgerwürde für Theodor Haering und Adolf Scheef abzuerkennen. Auch die Stadträtinnen und Stadträte sind zu der öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Otto Binder
Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V.
Ulrike Baumgärtner
Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
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4. Mai 2012
Der Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus und die Geschichtswerkstatt Tübingen haben in einem „Offenen Brief an den Gemeinderat“ diesen aufgefordert, die Ehrenbürgerwürde für Theodor Haering und Adolf Scheef abzuerkennen und die von Theodor Eschenburg, Hans Gmelin, Kurt Georg Kiesinger und Paul Schmitthenner zu überprüfen. Es folgt der Wortlaut des Offenen Briefes:
An den
Gemeinderat der
Universitätsstadt Tübingen, 2. Mai 2012
Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,
die Frage des Umgangs mit der Ehrenbürgerwürde steht seit einiger Zeit im Raum. Nicht nur der Gemeinderat und die Stadtverwaltung, sondern auch engagierte Bürger und Bürgerinnen machen sich darüber Gedanken. Das ist nicht nur in Tübingen der Fall, sondern auch in anderen baden-württembergischen Städten. Über die Ehrenbürgerwürde zu entscheiden, ist allein Sache des Gemeinderats. Aber es ist für ihn sicher von Interesse zu erfahren, wie engagierte und informierte Bürgerinnen und Bürger darüber denken. Die Geschichtswerkstatt Tübingen und der Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus haben sich mehrfach und intensiv mit der Tübinger Geschichte in der NS-Zeit und dem Umgangs mit dem NS nach 1945 beschäftigt.
Es gibt die Auffassung, dass eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt, folglich eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Toten keinen Sinn macht. Das wäre jedoch zu einfach; der heutige Gemeinderat muss sich vielmehr dem Problem der Ehrenbürgerschaft von ehemaligen Nationalsozialisten stellen und die historischen Zusammenhänge aufarbeiten lassen und die Ehrenbürgerschaften gegebenenfalls aberkennen. Ein rein formales Kriterium wie die bloße Mitgliedschaft in der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen wäre nicht sachgerecht. Entscheidend ist, ob jemand für die Sache des Nationalsozialismus mit Worten oder Taten eingetreten ist. Propagandistische Tätigkeit ist ebenso aktives Handeln wie die aktive Beteiligung an der nationalsozialistischer Politik. Hinzu kommt, wie diese Ehrenbürger nach 1945 mit ihrer NS-Vergangenheit umgegangen sind.
Für einige ist diese Zeit ausreichend erforscht, um zu einem Urteil zu gelangen, für andere steht das noch aus. Dem heutigen Kenntnisstand entsprechend fordern wir den Gemeinderat auf, die Ehrenbürgerwürde für Theodor Haering und Adolf Scheef abzuerkennen.
Theodor Haering war nach dem Ersten Weltkrieg ein entschiedener Gegner der Weimarer Republik. Die Forderung nach einem nationalen Machtstaat, sein Antisemitismus und der Wunsch nach einem Führer, ließ ihn 1937 der NSDAP beitreten. Haering war in der Folgezeit vielfältig propagandistisch für den nationalsozialistischen Staat tätig, nicht nur in der Universität, sondern auch öffentlich. Nach 1945 gehörte er zu den Ersten, die aus der Universität entfernt wurden. Seine spätere Einstufung als „Mitläufer“ ermöglichte ihm die Rückkehr. Seine Gesinnung freilich änderte sich nicht, Selbstkritik oder gar aktives Eintreten für die Demokratie sucht man bei ihm vergeblich.
Der frühere Demokrat Adolf Scheef betrieb ab 1933 nach Kräften eine nationalsozialistische Stadtpolitik. Auf seine Initiativen hin entstanden die SA-Motorsportschule, die Reichsbräute- und die Reichssanitätsschule, die Schwesternschule, die Jugendherberge sowie Einrichtungen des Nationalsozialistischen Volkswohlfahrtverbands und mehrere Siedlungen. Er baute Tübingen zur „Parteistadt“ aus. Die häufigen Zugriffe der Parteieinrichtungen auf städtische Finanzmittel und auf Immobilien stießen bei Scheef auf großes Wohlwollen. Hinzu kam sein unbedingter Einsatz für die nationalsozialistischen Ziele im Alltagsgeschäft. Hier nehmen wir Bezug auf die dem Gemeinderat vorliegende Forschungsstudie der Geschichtswerkstatt über die zwangsweise ausgeschiedenen Stadträte und deren Verhältnis zum Nationalsozialismus.
Die nationalsozialistische Betätigung der nachfolgenden Ehrenbürger sollte genauer untersucht werden. Nach intensiver Forschung kann auf dieser Grundlage entschieden werden, ob diese Ehrenbürger bleiben oder nicht.
Hans Gmelin war u.a. persönlicher Referent des deutschen Botschafters Hanns Ludin in der Slowakei in der Zeit der Deportation der dortigen jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager. Gmelin ist ein Musterbeispiel für den politischen Aufstieg früherer Nationalsozialisten in der Bundesrepublik. Seine Rolle im NS und seine Politik als Oberbürgermeister gegenüber der NS-Vergangenheit sollte untersucht werden.
Die Rolle von Theodor Eschenburg bis 1945 ist nicht aufgeklärt. Es gibt Hinweise, dass Eschenburg in den 1920er Jahren in Tübingen gegen die Demokratie und Juden gekämpft hat und in der NS-Zeit in der SS aktiv gewesen ist. Diesen Hinweisen müsste durch wissenschaftliche Forschung nachgegangen und sorgfältig geprüft werden. Nach 1945 war Eschenburg aktiver Demokrat.
Das NSDAP-Mitglied Kurt Georg Kiesinger stieg 1940 im Reichsaußenministerium zum stellvertretenden Leiter der rundfunkpolitischen Abteilung auf. Seine Rolle im NS und die Auswirkung auf seine Politik nach 1945 sind umstritten.
Das Parteimitglied Paul Schmitthenner leitete die Staatshochschule für Künste in Berlin und galt als einer der wichtigsten Architekten des NS. Er siedelte 1944 nach Kilchberg über und die Gemeinde ernannte ihn 1952 zum Ehrenbürger.
Es hat die Bundesrepublik Deutschland und ihre Demokratie gestärkt als seit den 1980er Jahren die Auseinandersetzung um den Umgang mit der Vergangenheit offen ausgetragen wurde. Es könnte auch das Gemeinwesen Tübingen stärken, wenn diese Diskussion bald öffentlich und konstruktiv geführt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Otto Binder (Vorsitzender)
Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V.
Ulrike Baumgärtner (Vorsitzender)
Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
PS:
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Sitzung des Ausschusses für Kultur, Integration und Gleichstellung
Donnerstag, 10. Mai 2012, 16.30 Uhr, Großer Sitzungssaal des Rathauses
Hier interessierende Tagesordnungspunkte:
6. Gedenken an die Mitglieder des Gemeinderates, die 1933 ihr Amt verloren.
Forschungsbericht der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
a. Anhörung Geschichtswerkstatt
b. Beratung
7. Ehrenbürger mit NS-Verstrickung
Link zur Tagesordnung und den Dokumenten dieses Termins
Forschungsbericht der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
Schwäbisches Tagblatt:
Geschichtswerkstatt fordert Aberkennung der Ehrenbürgerwürde von Adolf Scheef, 04.05.2012 (Video-Interview)
Die ehemalige Haigerlocher Synagoge erinnert mit ihrer Dauerausstellung an jüdisches Leben in Hohenzollern. Aus der ganzen Welt zusammengetragene Objekte sowie Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erzählen von jüdischen Schicksalen in Haigerloch, Hechingen und Dettensee. Über 600 Jahre lang lebten bis 1942 rund um das frühere Haigerlocher Gotteshaus jüdische Familien. Nach 1941 wurden Juden und Jüdinnen aus Württemberg, auch aus Tübingen, nach Haigerloch umgesiedelt, bevor sie in Konzentrationslager deportiert wurden. Unsere Spurensuche in Haigerloch beginnt mit der Besteigung des Römerturms und dem Blick auf die ungewöhnliche Lage der Stadt. Nach einem Rundgang durchs Haagviertel besuchen wir die Ausstellung in der ehemaligen Synagoge. Den Abschluss bildet ein Gang auf den nahe gelegenen jüdischen Friedhof.
Infos und Anmeldung:
Margarete Kollmar / BAF e.V. – Bildungszentrum und Archiv zur Frauengeschichte Baden-Württemberg Tel. (0 70 71) 7 43 83 / E-mail: margarete.kollmar[ät]web.de
Teilnehmerbeitrag: 12.– Euro / 10.– Euro (BAF-Mitfrauen)
Der Treffpunkt vor Ort wird bei der Anmeldung mitgeteilt.
Eine Veranstaltung von BAF e.V.
Der Vortrag von Dr. Benigna Schönhagen am Do, 12.05. um 20:15 Uhr in der vhs, wird die Rolle und Bedeutung Tübingens im Nationalsozialismus in den Blick nehmen…
Tübingen hat mit seinen Behörden, Gerichten und der Universität erheblich zum Funktionieren des totalitären Systems im Reich und im Land beigetragen.
Das Wissen darüber wurde in den letzten Jahren erweitert und vertieft.
An der Universität lehrten in verschiedenen Fakultäten überzeugte Nationalsozialisten und leisteten ihren Beitrag zur Ausformulierung der NS-Ideologie und zur Praxis des Nationalsozialismus.
Hier ausgebildete Studierende und Tübinger Bürger waren an der Bürokratie und Ausführung der Vernichtung beteiligt. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter litten und starben hier. Politisch Mißliebige oder aus anderen Gründen Ausgegrenzte aus Tübingen wurden in Konzentrationslager gebracht.
Dagegen gab es nur wenig Widerstand.
Dr. Benigna Schönhagen, die die grundlegende Arbeit über Tübingen in der Zeit des Nationalsozialismus geschrieben hat, wird an diesem Abend über die Rolle und Bedeutung Tübingens im Nationalsozialismus berichten.
Eine gebührenfreie Veranstaltung im Saal der vhs, die in Zusammenarbeit mit dem Verein „Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e. V.“ stattfindet.
Hiermit laden wir Sie herzlich zu den folgenden Buchpräsentationsterminen ein:
Antijüdische Krawalle und Übergriffe, Diskriminierungen und antisemitisch gefärbte Medienberichte und Agitationen lassen sich in Stuttgart lange vor der NS-Machtübernahme nachweisen. An diese Strukturen konnten die Nationalsozialisten anknüpfen. In dieser Epochen übergreifenden Lokal- und Regionalstudie werden die Kontinuitäten und Zäsuren des Antisemitismus in öffentlichen Diskursen und in der Alltagswelt der württembergischen Landeshauptstadt mit ihrem dominanten nationalen Milieu beleuchtet. Die historisch-kulturwissenschaftliche Arbeit eröffnet auch einen neuen Blick auf die codierten und latenten Formen des Antisemitismus und auf die Bedeutung der Koexistenz von moderater und radikaler Judenfeindschaft in der politischen Kultur.
Rezension:
Thomas Faltin: Der Judenhass war in Stuttgart ganz normal, Stuttgarter Zeitung, 03.02.2011, S. 22
Ausstellung bis 30.01.2011, 16 Uhr, Volkshochschule Tübingen, Katharinenstr. 18
Der Tübinger 'Grabert-Verlagskomplex' gehört zu den ältesten und bedeutendsten extrem rechten Verlagshäusern der Bundesrepublik. Der ehemalige Universitäts-Dozent Dr. habil. Herbert Grabert und spätere Gründer des Grabert-Verlags war in den 1920er und 30er Jahren u.a. im Kontext einer „Deutschen Glaubensbewegung“ aktiv, die eine „Dritte Konfession“ für das „Dritte Reich“ propagierte, bevor er den Nationalsozialismus selbst als Glaubensinhalt erkannte. Er wirkte als nationalsozialistischer Religions- und Kulturwissenschaftler und Historiker. Wegen der von ihm vertretenen Auffassungen konnte er seine Universitätskarriere nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ nicht fortsetzen.
Frühe Autoren des Grabert-Verlags der 1950er Jahre hatten einen oft nationalsozialistischen oder völkischen Hintergrund. Aktuelle Autoren sind nicht selten als Ideologen, Politiker oder Funktionäre unterschiedlicher extrem rechter Organisationen oder Parteien aktiv.
Seit den 1960er Jahren arbeitet das Verlagshaus Grabert an einer Etablierung 'revisionistischer' Geschichtsverfälschung. Deutsche Kriegsschuld und Holocaust werden relativiert oder geleugnet. Verlag und Autoren versuchen, nationalistischem und völkisch-rassistischem Denken sowie antisemitischen Ressentiments neue Geltung zu verschaffen. Autoren der Grabert-Verlage leisteten unter anderem auch Beiträge zur Modernisierung rechtsradikaler ‚Weltanschauung‘.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Geschichte des Verlags. Eine kritische Präsentation exemplarischer Themenbereiche der von den Grabert-Verlagen publizierten Literatur soll die öffentliche Auseinandersetzung ermöglichen und unterstützen.
Die Ausstellung wurde von der Arbeitsgruppe „Zeitgeschichte und Rechtsradikalismus“ der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. erarbeitet. Für finanzielle Förderung dankt der Ausstellungs-Arbeitskreis der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten Tübingen/Mössingen.
Weitere Informationen zum Thema Grabert-Verlage bzw. nationalistische und extreme Rechte
Veranstaltungsfaltblatt zum Download
Die Übernahme der historischen Verantwortung für den Nationalsozialismus gehört zum Grundkonsens der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Demokratie. Diese muss von der Gesellschaft immer wieder neu errungen und verteidigt werden. Dazu gehört auch in Zukunft die Erinnerung an die NS-Herrschaft und ihre Verbrechen. Daher sind ständig neue ihrer Zeit angemessene Konzepte der Vermittlung der NS-Zeit, ihrer Vorgeschichte und den Nachwirkungen zu erarbeiten. Mit dem langsamen Verschwinden der Generation der Zeitzeugen benötigt die politisch-didaktische Auseinandersetzung zwischen der Demokratie und ihren Feinden neue Formen und Einrichtungen. Deshalb müssen in das öffentliche Gedächtnis und Erinnern neben existierenden Gedenkstätten in Zukunft neue und innovative Lernzentren treten, die den heranwachsenden Generationen in ansprechender Weise eine Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit und den Bedrohungen der Demokratie und Freiheit durch rechtsextremes, nationalistisches, antisemitisches und rassistisches Gedankengut eröffnet.
Wir laden Sie herzlich ein zur Informationsveranstaltung am
Dienstag, 5. Oktober 2010, um 20 Uhr in der Mensa Uhlandstrasse in Tübingen.
Dr. Werner Jung, Direktor des NS-Dokumentationszentrum Köln, berichtet von seinen langjährigen Erfahrungen.
Außerdem geht es um die geplante Gründung eines Trägervereins für ein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus in Tübingen.
Die Gründungsversammlung des Trägervereins für ein Lern- und Dokumentationszentrum in Tübingen findet am Dienstag, 16. November 2010, um 20 Uhr im Gemeindehaus Lamm statt.
Wenn Sie das Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus unterstützen wollen, freuen wir uns über Spenden (selbstverständlich gegen Spendenbescheinigung, bitte Adresse angeben).
Spendenkonto der Geschichtswerkstatt Tübingen e.V:
Kreissparkasse Tübingen
Konto-Nr.: 284 534; BLZ: 641 500 20
Stichwort: NS-Dokuzentrum
Mehr Infos gibt es hier:
Geschichtswerkstatt Tübingen e.V.
Lammstraße 10
72072 Tübingen
info[at]geschichtswerkstatt-tuebingen.de
http://www.geschichtswerkstatt-tuebingen.de
AK Moderne Tübinger Stadtgeschichte
c/o Dr. Hans-Otto Binder
Im Öschle 27
72070 Tübingen
hans-otto[at]onlinehome.de
Donnerstag, 1. Juli 2010, 20.00 Uhr
Dr. Ulrich Hägele, Kultur- und Medienwissenschaftler
Dienstag, 22. Juni 2010, 20.00 Uhr, Volkshochschule Tü, Katharinenstr. 18
In der unmittelbaren Nachkriegszeit zählte Kulturarbeit zu den dringenden Aufgaben der öffentlichen Hand. In Tübingen initiierte vor allem das Kunstdepartement der französischen Militärverwaltung bis Ende der vierziger Jahre zahlreiche Ausstellungen mit politisch-pädagogischen Zielen: Nach der Niederlage sollte das deutsche Publikum über die Präsentation von Kunst auf demokratische Bahnen gelenkt werden. Die Reaktionen der Tübinger waren ambivalent: Die alten Meister stießen auf uneingeschränkte Zustimmung, die im NS verfehmte Klassische Moderne wurde mitunter vehement abgelehnt. Der Vortrag des Tübinger Medienwissenschaftlers Ulrich Hägele wirft Schlaglichter auf die Tübinger Kunstpolitik der Zeit bis zur Währungsreform und analysiert die Rolle der französischen Besatzungsmacht in Verbindung zur verbliebenen oder neu eingesetzten Elite in der Stadtverwaltung und an der Universität. Zu Wort kommen die Zeitzeugen Martin Schmidt, Hedwig Rieth und Horst Guckes. Der Referent hat diese und einige andere Zeitzeugen in den vergangenen Jahren über die Nachwirkungen des NS in der Tübinger Kulturpolitik befragt.
s. Veranstaltungen
Patricia Gebhart, Historikerin
Dienstag, 25. Mai 2010, 20.00 Uhr, Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
Mutiger Kritiker des Regimes oder stramm nationalsozialistischer Philosoph? Die Meinungen über Theodor Haering, Tübinger Ehrenbürger und Stifter des Haering-Hauses, gehen erstaunlich weit auseinander. Im Vortrag zeichnet die Historikerin Patricia Gebhart den Weg Haerings durch Diktatur und Demokratie nach. Der Vortrag sucht Antworten auf die Fragen, wie aus einem geistigen Komplizen des NS-Regimes binnen kurzem ein hoch dekorierter Bürger der BRD werden konnte und warum Tübingen so lange ein Bild des Ehrenbürgers konservierte, das die dunklen Seiten seiner Vita weitgehend aussparte.
s. Veranstaltungen
Philipp Reisinger, Lucius Teidelbaum
Dienstag, 27. April 2010, 20.00 Uhr, Volkshochschule Tü, Katharinenstr. 18
Der Tübinger Grabert-Verlag gehört zu den ältesten und bedeutendsten extrem rechten Verlagen der Bundesrepublik. Frühe Autoren des Grabert-Verlags hatten oft einen nationalsozialistischen Hintergrund, aktuelle Autoren wirken nicht selten als Ideologen oder Funktionäre extrem rechter Organisationen. Zu den Zielen des Hauses Grabert gehört, eine „revisionistische“ Geschichtsschreibung zu etablieren. Deutsche Kriegsschuld und Holocaust werden relativiert oder geleugnet. Es wird versucht, völkischen Konzepten und antisemitischen Ressentiments neue Geltung zu verschaffen.
Herbert Grabert, der Gründer des Verlags, war in den 20er und 30er Jahren u.a. im Kontext der „Deutschen Glaubensbewegung“ aktiv, die eine „dritte Konfession“ für das „dritte Reich“ propagierte, bevor er den Nationalsozialismus selbst als Glaubensinhalt erkannte.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Entwicklung des Verlags und seine Vorgeschichte, die frühen Jahre der Bundesrepublik werden dabei im Zentrum stehen.
s. Veranstaltungen
Zur erstaunlichen und vertrauten Opfer-Darstellung in Tübinger Denkmälern
Oonagh Hayes, Historikerin
Dienstag, 23. März 2010, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
s. Veranstaltungen
Das Schwäbische Tagblatt in der Nachkriegszeit
Dr. Hans Joachim Lang, Historiker, Redakteur des Schwäbischen Tagblatts
Dienstag, 9. März 2010, 20.00 Uhr Schwäbisches Tagblatt, Uhlandstraße 2
s. Veranstaltungen
Die Entnazifizierung der Universität Tübingen
Dr. Stefan Zauner, Historiker
Dienstag, 23. Februar 2010, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
s. Veranstaltungen
Hans Gmelin und die Tübinger „Vergangenheitspolitik“ seit den 1950er Jahren
Referent Jens Rüggeberg
Dienstag, 26. Januar 2010, 20.00 Uhr im ehemaligen Kino Löwen gegenüber dem Stadtmuseum (abweichend von den bisherigen Ankündigungen)
Hans Gmelin, langjähriger Tübinger Oberbürgermeister und Ehrenbürger, hat Tübingen von Mitte der 1950er Jahre an geprägt. Und das nicht nur in städtebaulicher Hinsicht (WHO, großer Schloßbergtunnel), sondern auch und gerade wegen seiner „Vergangenheitspolitik“. Schon bei seiner Wahl 1954 wurde darüber diskutiert, wie er mit seiner Nazivergangenheit und der Tübingens umgehen würde. Der Referent Jens Rüggeberg wird darüber berichten, dabei neue Forschungsergebnisse präsentieren und so viel Stoff für weitere Diskussionen liefern.
s. Veranstaltungen
Wie sich Tübingen in den 50er und 60er Jahren an den Nationalsozialismus erinnerte
Martin Ulmer, Kulturwissenschaftler/Historiker
Dienstag, 24. November 2009, 20.00 Uhr Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße 18
s. Veranstaltungen
Ausstellung zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte
27. Oktober bis 8. November 2009. Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 14 – 19 Uhr, Samstag und Sonntag: 11 – 20 Uhr
Shedhalle Tübingen, Schlachthausstr. 13, Tübingen
weitere Informationen
Entnazifizierung und Neuanfang in Tübingen in der Besatzungszeit
Dr. Hans-Otto Binder, Historiker
Dienstag, 27. Oktober 2009, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
s. Veranstaltungen
Vom braunen Hemd zur weißen Weste?
Vom Umgang mit der Vergangenheit in Tübingen nach 1945
27.10.2009 bis 22.06.2010
s. Veranstaltungen
Oktober 2009:
Sammelwerk Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder erschienen.
für Schulen, Vereine, Firmen und Einzelpersonen