Kompetent gegen rechte Sprüche
Kompetent gegen rechte Sprüche: Argumentationstraining der Geschichtswerkstatt Tübingen
Am 20. September 2025 nahm die Geschichtswerkstatt Tübingen an einem ganztägigen Argumentations- und Handlungstraining gegen Rechts teil. Der Workshop fand von 10 bis 18 Uhr in der Tübinger Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) statt.
Geleitet wurde der Workshop von Asli Kücük und Rabia Sancak vom Team meX - Mit Zivilcourage gegen Rechtsextremismus, einem Fachbereich der LpB innerhalb der Stabstelle "Demokratie stärken!".
Team meX sensibilisiert seit 2015 für die Gefahren extremistischer Parolen und Propaganda, vermittelt demokratische Werte und stärkt die Handlungskompetenz für zivilcouragiertes Auftreten.
Vorurteile erkennen
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde startete der Workshop mit einer Übung zu Fremdzuschreibungen und Vorurteilen.
Jede*r Teilnehmende erhielt einen Zettel mit vier harmlosen Aussagen, wie etwa "Ich brauche morgens immer einen Kaffee", der auf dem Rücken befestigt wurde. Dann konnte jede*r Teilnehmende Klebepunkte verteilen, je nachdem, was sie von den vier Aussagen für zutreffend hielt. Beim Abnehmen des Zettels wurde klar: Wir alle haben Vorurteile und werden selbst Objekt von Zuschreibungen.
Im anschließenden Austausch wurden die Begriffe Vorurteil, Identität und Diskriminierung behandelt.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit - eine Gefahr für die Demokratie
In einem Input zum Thema "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)" wurde erläutert, dass GMF eine Ideologie der Ungleichwertigkeit darstellt. Sie zeigt sich in Formen wie Antisemitismus, Rassismus, Klassismus und Hetero-/Sexismus und führt zu Ausgrenzung, eingeschränkter Teilhabe und Gewalt. GMF verstößt damit gegen Grund- und Menschenrechte und gefährdet unsere demokratische Gesellschaft.
Fazit: GMF betrifft uns alle, denen ein demokratisches Zusammenleben wichtig ist.
Was tun? Argumentieren und handeln gegen Rechts
Im dritten Teil des Workshops stand das Argumentations- und Handlungstraining im Mittelpunkt. In einem Rollenspiel simulierten wir eine mögliche Situation: Ein Infostand der Geschichtswerkstatt wird von rechten Parolen angegangen.
Zwei Personen spielten die Standbetreuung, zwei übernahmen die Rolle der Parolenschwingenden und zwei weitere Personen fungierten als Beobachter*innen.
In der anschließenden Reflexion wurde deutlich, welche Funktionen rechte Parolen erfüllen: Sie emotionalisieren, vereinfachen und werten ab und erzeugen Beklemmung und Unsicherheit beim Publikum. Diejenigen, die die Parolen schwingen wollen Zustimmung und Selbstbestätigung und fühlen sich mächtig.
Die Referentinnen gaben Tipps zum Umgang mit diesen Situationen, wie ein ruhiges und bestimmtes Auftreten, ohne beleidigend zu werden. Man soll mit lebensnahen Beispielen kommen und kann auch Ironie anwenden, um Absurdität aufzuzeigen. Auch wichtig: Exit nach Statement.
Zum Abschluss wurde das Gelernte in einem weiteren Rollenspiel angewendet.
Fazit
Das Training vermittelte nicht nur Wissen, sondern vor allem Strategien, um in schwierigen Situation gegen Rechts zu argumentieren und zu handeln.
Ein herzliches Dankeschön an Asli Kücük und Rabia Sancak für den tollen Workshop!