Bild: Oberbürgermeister Hans Gmelin dankt Professor Theodor Haering für seine Mitarbeit im Tübinger Gemeinderat, 11. November 1957
Eine Veranstaltungsreihe von
Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird vorwiegend als Erfolgsgeschichte dargestellt. Vielen gilt die Integration der ehemaligen Nationalsozialisten als wichtige Voraussetzung dieses Erfolgs. Auch in Tübingen wurde die Vergangenheit lange verdrängt und die Opfer ausgeblendet – selbst nazistisches Denken war noch präsent: Welche Rolle spielten dabei ehemalige und alte Nationalsozialisten in Tübingen und wie war die gesellschaftliche Resonanz?
Die Vortragsreihe „Vom braunen Hemd zur weißen Weste?“ will die Schattenseiten dieser Entwicklung in Tübingen in den 50er und 60er Jahren – einer früheren Hochburg des Nationalsozialismus – aufzeigen. Die Vorträge behandeln die gescheiterte Entnazifizierung in Stadt und Universität, die einseitige Gedenkkultur und die Rolle der Presse und Kultur in der Vergangenheitspolitik. Außerdem werden der Erfolg ehemaliger Nationalsozialisten wie Hans Gmelin oder Theodor Haering sowie die Gründung des rechtsextremen Grabert-Verlags beleuchtet.
Eine Stadtführung am 65. Jahrestag des Kriegsendes zeigt, wie präsent die Spuren der braunen Vergangenheit im Tübinger Stadtbild bis heute sind und wie in Tübingen nach 1945 mit dem Nationalsozialismus umgegangen wurde.
Verwahrloster jüdischer Friedhof Wankheim, März 1959
Jeder wollte es nicht gewesen sein.
Entnazifizierung und Neuanfang in Tübingen in der Besatzungszeit
Dr. Hans-Otto Binder, Historiker
Dienstag, 27. Oktober 2009, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
Verdrängte Verbrechen und gefallene Helden.
Wie sich Tübingen in den 50er und 60er Jahren an den Nationalsozialismus erinnerte
Martin Ulmer, Kulturwissenschaftler/Historiker
Dienstag, 24. November 2009, 20.00 Uhr Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße 18
Vom Nazi-Diplomaten zum Nachkriegsoberbürgermeister.
Hans Gmelin und die Tübinger „Vergangenheitspolitik“ seit den 1950er Jahren
Jens Rüggeberg, Jurist/Historiker
Dienstag, 26. Januar 2010, 20.00 Uhr im ehemaligen Kino Löwen gegenüber dem Stadtmuseum (abweichend von den bisherigen Ankündigungen)
Mit blankem Schild aus dem Dritten Reich gekommen?
Die Entnazifizierung der Universität Tübingen
Dr. Stefan Zauner, Historiker
Dienstag, 23. Februar 2010, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
Wieviel Anfang wagten die Journalisten?
Das Schwäbische Tagblatt in der Nachkriegszeit
Dr. Hans Joachim Lang, Historiker, Redakteur des Schwäbischen Tagblatts
Dienstag, 9. März 2010, 20.00 Uhr Schwäbisches Tagblatt, Uhlandstraße 2
„Den Toten zur Ehr, uns zur Mahnung“.
Zur erstaunlichen und vertrauten Opfer-Darstellung in Tübinger Denkmälern
Oonagh Hayes, Historikerin
Dienstag, 23. März 2010, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
Braune Geschichtslügen aus Tübingen. Rechtsextremismus als Geschäft.
Der Tübinger Grabert-Verlag
Philipp Reisinger, Lucius Teidelbaum, Historiker
Dienstag, 27. April 2010, 20.00 Uhr Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße 18
Ein Bürger aller Ehren wert?
Der Fall Theodor Haering
Patricia Gebhart, Historikerin
Dienstag, 25. Mai 2010, 20.00 Uhr Veranstaltungsraum des Kulturamts, Nonnengasse 19
„Schmerzlich innere Zerrissenheit“.
Kultur- und Medienpolitik in Tübingen nach 1945
Dr. Ulrich Hägele, Kultur- und Medienwissenschaftler
Dienstag, 22. Juni 2010, 20.00 Uhr Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße
Heimkehrertafel am Holzmarkt, angebracht 1953, abgehängt 2003
Auf den Spuren der braunen Erbschaft
Stationen: Theodor-Haering-Haus, Rathaus, Stiftskirchenmauer, Synagogenplatz, Silcherdenkmal, Thiepvalkaserne
Samstag, 8. Mai 2010, 15.00 Uhr Treffpunkt: Theodor-Haering-Haus, Neckarhalde 31
Bekanntmachungstafel der NSDAP von 1938, überklebt mit einem Aufruf der französischen Miltärregierung von April 1945
Zeitzeugengespräche
Um die Geschichte der Zeit nach 1945 in Tübingen den Schülerinnen und Schülern an Gymnasien, beruflichen Schulen, Realschulen und Hauptschulen „hautnah“ erlebbar zu machen, haben sich einige Tübinger Zeitzeugen bereit erklärt, als
Gesprächspartner in die Schulen zu kommen und über den Umgang mit dem Nationalsozialismus in Tübingen zu sprechen.
Materialiensammlung
Als Vorbereitung für die Zeitzeugengespräche und als Grundlage für die Erarbeitung im Unterricht stehen ab Mitte Februar Quellentexte und Zusammenfassungen zu den Vortragsthemen zur Verfügung.
Kontakt über:
M. Schober, Tel. (0 70 71) 91 39 41
B. Fritz-Wais, Tel. (0 70 71) 2 42 04
e-mail: info[at]geschichtswerkstatt-tuebingen.de
Der Historienfilm „Jud Süß“ des Regisseurs Veit Harlan von 1940 war der wichtigste Propagandafilm der Nationalsozialisten. 20 Millionen Zuschauer sahen ihn bis 1945. Die deutschen Mordkommandos bereiteten sich mit diesem Film auf den Völkermord an den europäischen Juden vor. Bis heute steht der raffiniert inszenierte Propagandafilm unter Vorbehalt, d.h. dass er nur mit wissenschaftlicher Einführung in voller Länge gezeigt werden kann.
Veranstaltet von der Geschichtswerkstatt Tübingen in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt und der Volkshochschule Tübingen.
Welche Vorstellungen machte man sich in Deutschland von den Mördern der europäischen Juden? Gescheiterte Existenzen oder sadistische Psychopathen? Der Leiter der Forschungsstelle an der Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung der NS-Verbrechen geht den Täterbildern seit 1945 nach und zeigt die Phasen der Verleugnung in den 1940er und 50er Jahren und des Bildes der Banalisierung des Bösen in den 60er Jahren bis hin zur aktuellen Täterforschung über die „ganz normalen Männern“ (Christopher Browning) und die akademisch gebildeten SS-Führer der Tötungskommandos. Klaus Michael Mallmann fragt auch nach den politisch-gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Ursachen und Folgen des Wahrnehmungswandels in Deutschland.
Veranstaltet von der Geschichtswerkstatt Tübingen in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt und der Volkshochschule Tübingen.
Überblendungsaktion am Rathaus, Tübinger Köpfe, sechs jüdische Bürger werden jeweils am Abend vorgestellt: Ruth Marx, Hanna Bernheim, Margarete Arnold, Max Löwenstein, Simon Hayum, Josef Wochenmark.
Bei den Tübinger Köpfen und dem Auftakt am Synagogenplatz ist die Geschichtswerkstatt Mitveranstalter.
Weitere Informationen sowie das komplette Veranstaltungsprogramm auf der Kulturseite der Stadt Tübingen.