Die 1984 gegründete Geschichtswerkstatt Tübingen e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, dem Berufstätige, Studierende und ältere Tübinger Bürger angehören. Im Gespräch zwischen den Generationen werden Ansätze für ein Lernen aus der Geschichte deutlich. Darüber hinaus gibt es ein Büro, das für Anfragen offensteht und in dem ein Archiv zur jüdischen Geschichte in Tübingen untergebracht ist.
Die Tübinger Geschichtswerkstatt beschäftigte sich zunächst mit den Spuren der ersten Nachkriegsjahre in Tübingen. Anläßlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht 1988 recherchierte die Geschichtswerkstatt für das Buch „Zerstörte Hoffnungen. Wege der Tübinger Juden“, das 1995 erschienen ist.
Seither beschäftigt sich die Tübinger Geschichtswerkstatt in Arbeitsgruppen, Stadtführungen, Veranstaltungen, Videoprojekt, und Formen der Gedenkkultur (wie Denkmal Synagogenplatz, Geschichtspfad) mit der jüdischen Geschichte sowie dem Antisemitismus und Nationalsozialismus in Tübingen, bis hin zum heutigen Umgang mit diesen Themen.
In den 80er Jahren erlebte die damals neue Geschichtsbewegung, die gegen verstaubte Geschichtsbilder und die etablierte Historiker- und Gelehrtenzunft an Universitäten und traditionellen Geschichtsvereinen mit neuen Ansätzen zur Alltags- und Lokalgeschichte angetreten war, einen neuen Aufschwung.
In vielen Städten entstanden Geschichtswerkstätten, die ZeitzeugInnen zum Alltag im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit nach der Methode der oral history befragten, auf Spurensuche nach den jüdischen Opfern der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gingen, die verdrängte Geschichte der Frauen in Familie und Arbeitswelt aufdeckten und die demokratischen Traditionen in der deutschen Geschichte erforschten. Anschaulich präsentierten die Geschichtswerkstätten die historischen Erfahrungen der Menschen in Ausstellungen, Stadtführungen, Spielen, Filmen, Gesprächskreisen und Büchern. Geschichte von unten wurde bald so populär, daß auch die Geschichtswissenschaft sich den neuen Themen öffnete.